Ein Teil von ihr



War ihre Mutter in Schwierigkeiten? Die einzige Erinnerung, die ihren drei jüngeren und fähigeren Mitbewohnerinnen noch von ihr blieb, war ein halb aufgegessener Fishburger im Kühlschrank und ihr Anteil an der Miete für den nächsten Monat. Alterung der Arbeitnehmerschaft Als Folge der Bevölkerungsentwicklung in Deutschland werden die Belegschaften immer älter werden.

Wirtschaft und Arbeitsleben


Eine sehr hübsche junge Blondine kam widerstrebend herbeigeschlurft. Andy erinnerte sich gut an dieses zwiespältige Gefühl. An den meisten Tagen ging es ihr näher, als es ihr recht war. Es war eine universell anerkannte Wahrheit, dass eine Mutter sagen konnte: Ist es nicht so, Schätzchen?

Shellys Verlegenheit steigerte sich noch ein wenig, als ihre Mutter eine Spur zu laut über den schalen Witz lachte. Laura versuchte die Wogen zu glätten, indem sie das Mädchen höflich nach ihrem Hauptfach befragte, nach ihren Träumen, ihren Zielen. Wenn man jung ist, fasst man es als persönlichen Affront auf, so ausgehorcht zu werden, aber als Erwachsener begreift man dann, dass Erwachsene gar nicht in der Lage sind, andere Fragen zu stellen.

Andy starrte auf ihre halb volle Kaffeetasse hinunter. Sie war so müde. Sie sah sich nach der Bedienung um. Das Mädchen klebte mit der Nase an ihrem Handy, der Rücken war gekrümmt, und sie kaute schmatzend auf einem Kaugummi. Andy unterdrückte einen Anflug von Zickigkeit, als sie vom Tisch aufstand. Je älter sie wurde, desto schwerer fiel es ihr, nicht wie ihre Mutter zu werden. Wobei Lauras Ratschläge, im Nachhinein betrachtet, oft sehr gut gewesen waren: Andy bediente sich beim Kaffee, wobei die Kellnerin sie von der Seite musterte.

Vielleicht lag es an der polizeiähnlichen Uniform. Die Kleine machte den Eindruck, als könnte sie ein bisschen Ecstasy oder zumindest eine Tüte Gras in ihrer Handtasche haben. Andy betrachtete ihre Uniform ebenfalls mit Argwohn. Gordon hatte ihr den Job verschafft. Vermutlich hoffte er, sie würde am Ende tatsächlich zur Polizei gehen.

Als sie dann ein Jahr lang in der Notrufzentrale gearbeitet hatte, war sie voller Hass gegen jedermann gewesen, weil zwei Drittel der Anrufer nur Idioten waren, die nicht begriffen, was ein Notruf war.

Laura unterhielt sich immer noch mit Betsy und Shelly Barnard. Andy hatte dieses Schauspiel schon unzählige Male miterlebt. Die beiden Frauen wussten nicht, wie man einen eleganten Abgang hinlegte, und Laura war zu höflich, um sie fortzuschicken. Jenseits der Promenade konnte sie auf den Atlantik schauen, der von einem heranziehenden Sturm aufgewühlt war. Leute führten ihre Hunde spazieren oder fuhren mit Fahrrädern auf dem Streifen festen Sands. Belle Isle war weder belle noch im eigentlichen Sinn eine Insel.

Es war im Wesentlichen eine von Menschen geschaffene Halbinsel, die entstanden war, als das Pionierkorps der Armee in den Achtzigern den Hafen von Savannah ausgebaggert hatte. Die neue Landmasse war ursprünglich als unbewohnte, natürliche Barriere gegen Wirbelstürme gedacht gewesen, aber dann hatte der Staat Dollarzeichen auf dem neuen Strand blinken sehen.

Fünf Jahre nach der Aufschüttung war die Hälfte des Gebiets bereits zubetoniert: Strandvillen, Reihenhäuser, Eigentumswohnanlagen, Einkaufszentren. Der Rest waren Tennis- und Golfplätze. Die Luft hatte sich verändert, anders konnte man es nicht beschreiben. Die feinen Härchen in Andys Nacken stellten sich auf.

Ein eisiger Schauer lief ihr über den Rücken. Ihre Nasenlöcher weiteten sich. Ihr Mund fühlte sich trocken an. Die Kaffeetasse glitt aus ihren Fingern. Zuerst war es gespenstisch still gewesen, aber nun brach Chaos aus. Leute, die rannten, sich duckten, den Kopf mit den Händen bedeckten. Die Augen weit offen. Ihr rotes T-Shirt sah nass aus und klebte an ihrer Brust. Blut rann aus ihrer Nase. Andy sah eine schmale rote Linie über ihre Wange zu ihrem Ohr laufen.

Sie lief in geduckter Haltung und mit ausgebreiteten Armen auf Andy zu. Ihr Mund stand offen, die Augen waren riesig vor Angst. Rote Flecken sprenkelten ihr Gesicht wie Sommersprossen. Andy knallte mit dem Hinterkopf an die Fensterscheibe, als sie zu Boden gerissen wurde. Sie spürte den Atem ihrer Mutter, während ihr selbst die Luft wegblieb.

Alles verschwamm vor ihren Augen, bis sie ein Krachen hörte und aufblickte. Feine Risse breiteten sich wie ein Spinnennetz über die Scheibe aus. Sie hatte sich abgerollt, war auf den Knien, dann auf den Beinen. Sie rieb sich mit den Fäusten die Augen. Etwas scheuerte rau an ihren Lidern. Ein Mann richtete eine Waffe auf die Brust ihrer Mutter. Keine Polizistenwaffe, sondern eine mit einer Trommel wie im Wilden Westen.

Der Waffengurt hing tief auf seinen Hüften. Ein Halfter für die Feuerwaffe, eine lange Lederscheide für ein Jagdmesser. Aber Shelly war jetzt tot. Sie würde nicht auf die UGA gehen. Sie würde nie mehr von ihrer Mutter in eine peinliche Situation gebracht werden, denn ihre Mutter war ebenfalls tot.

Laura hatte nur noch eine Brust, die linke, über dem Herzen. Sie hatte die Hände vorgestreckt, als hätte sie vor, die Kugeln abzufangen.

Sie ist keine Polizistin. Steh auf, du Schwein. Bleiben Sie ganz ruhig. Er fuchtelte mit dem Revolver. Du bist die Nächste. Verwirrung schlich sich in die wütende Fratze seines Gesichts. So hatte er sich das nicht gedacht. Die Leute sollten Todesangst haben und sich nicht freiwillig melden. In dieser Waffe waren nur sechs Kugeln. Sie haben nur noch eine Kugel. Habe ich recht, Andy?

Aus dem Riss in ihrer Leinenhose sickerte Blut. Andy bewegte sich wie von allein. Er schwang sie zurück, und ihr Körper folgte und schirmte Andy ab.

Schirmte sie vor der letzten Kugel in der Waffe ab. Er steckte den Revolver in das Halfter und wechselte das Messer in die dominante Hand. Die Klinge zeigte nicht aufwärts, so wie man ein Steakmesser hält, sondern abwärts, so wie man jemanden absticht.

Andy war wie gelähmt, zu verängstigt, um sich zu einer Kugel zusammenzurollen, zu schockiert, um irgendetwas anderes zu tun, als zuzusehen, wie ihre Mutter starb. Laura streckte die Hand aus, als könnte sie das Messer abwehren. Die Klinge schnitt mitten durch ihre Handfläche. Laura brach nicht zusammen und schrie auch nicht, sondern schloss die Finger um das Heft des Messers.

Dann fiel ihm offenbar die Waffe an seiner Hüfte wieder ein. Er fasste mit der rechten Hand nach unten. Seine Finger schlossen sich um den Griff. Der silberne Lauf blitzte auf. Laura holte lautlos mit dem Arm aus und hieb ihm die Klinge mit einer Rückhandbewegung seitlich in den Hals. Sein Mund klappte auf und zu wie ein Fischmaul. Seine Augen waren weit aufgerissen. Kein Sprühnebel wie zuvor.

Alles ergoss sich aus der klaffenden Halswunde wie bei einem Dammbruch. Sein schwarzes Hemd wurde noch schwärzer. In der neunten Klasse war Andy in einen Jungen namens Cletus Laraby verknallt, der ironischerweise den Spitznamen Cleet verpasst bekommen hatte. Er hatte lange, braune Haare, konnte Gitarre spielen und war der klügste Junge in Chemie, deshalb versuchte Andy, Gitarre zu lernen, und gab vor, sich ebenfalls für Chemie zu interessieren.

Und so landete sie an ihrer Schule in einem Wettbewerb für naturwissenschaftliche Projekte: Cleet hatte sich angemeldet, also meldete sich Andy ebenfalls an. Niemand warf die Frage auf, ob es klug sei, einem Mädchen aus dem Theaterkurs, das die naturwissenschaftlichen Fächer gerade mal so bestand, Zugang zu Ammoniumnitrat und Zündschlössern zu gewähren, aber im Nachhinein betrachtet war Dr.

Finney wahrscheinlich so froh, dass sich Andy für etwas anderes als Schauspiel interessierte, dass sie beide Augen zudrückte. Ihr Vater war ebenfalls begeistert. Er begleitete Andy in die Bibliothek, wo sie gemeinsam Bücher über Ingenieurwesen und Raketenbau wälzten.

Er füllte einen Antrag für einen Treuerabatt im örtlichen Bastelladen aus. Finney abgeben, um zu beweisen, dass sie die Arbeit tatsächlich selbst geleistet hatte. Sie breitete ihre zweifelhaften Beweismittel auf dem Lehrertisch aus, als Cleet Laraby hereinkam.

Andy musste ihre Finger ineinander verschränken, damit sie nicht zitterten, als er stehen blieb, um sich die Fotos anzusehen. Den mit den Engeln, ja? Deshalb hab ich den hier draufgeklebt.

Soll eine Mahnung sein, dass ich mich als Künstler niemals so verkaufe wie diese Schwuchteln. Finneys Klassenzimmer ohne ihre Unterlagen oder Bücher, ja sogar ohne ihre Handtasche verlassen. Sie war durch die Cafeteria gegangen, dann durch die Hintertür hinaus, die immer nur angelehnt war, damit das Personal hinter dem Müllcontainer rauchen konnte. Gordon wohnte drei Kilometer von der Schule entfernt.

Dann tränkte sie alles mit Feuerzeugbenzin und warf ein Streichholz in die Tonne. Sie kam in Gordons Einfahrt auf dem Rücken liegend wieder zu sich, weil ein Nachbar sie mit dem Gartenschlauch abspritzte.

Die Explosion war so heftig und laut gewesen, dass sie aus den Ohren blutete. Der Nachbar schrie ihr ins Gesicht. Seine Frau, eine Krankenschwester, kam dazu und versuchte, Andy etwas zu sagen, aber alles, was sie vernahm, war ein spitzer Ton, so wie wenn die Chorleiterin auf der Stimmpfeife blies. Wenn sie zu schlafen versuchte.

In die Küche ging. Wenn sie die Notizen las, die ihre Eltern wütend auf ein Whiteboard kritzelten. Das war jetzt fast zwanzig Jahre her. Andy hatte in der Zwischenzeit nicht oft an die Explosion gedacht, und sie dachte auch jetzt nur daran, weil der Ton wieder da war. Auf dem Boden lagen drei tote Menschen. Andy hatte von den Leichen zu den Leuten aufgeblickt, die sich vor dem Restaurant versammelt hatten.

Manche hatten Fotos geknipst. Andy hatte eine Berührung auf ihrem Arm gespürt. Laura mühte sich ab, um den Stuhl von den Gaffern wegzudrehen. Lauras Hand zitterte, als sie ein Tischtuch um ihr blutendes Bein zu binden versuchte. Laura war Rechtshänderin, aber mit dem Messer, das immer noch in ihrer linken Hand steckte, war es ihr unmöglich, sich das Bein zu verbinden. Sie sprach mit Andy, wahrscheinlich bat sie sie um Hilfe, aber alles, was Andy hörte, war der Ton.

Andy starrte auf den Mund ihrer Mutter und wusste nicht, ob sie das Wort gehört oder von ihren Lippen abgelesen hatte. Sie war zu ihr durchgedrungen, eine gedämpfte Bitte, als würde ihre Mutter durch ein langes Rohr sprechen. Andy war auf die Knie gegangen und versuchte, das Tischtuch zu verknoten. Das Gleiche hätte Andy einem panischen Anrufer am Notruftelefon gesagt: Machen Sie sich keine Sorgen, dass Sie ihr wehtun könnten.

Ziehen Sie das Tuch so fest, wie Sie nur können, um die Blutung zu stoppen. Es war anders, wenn es die eigenen Hände waren, die das Tuch banden. Anders, den Schmerz in dem Gesicht der eigenen Mutter zu sehen.

Sag, dass du dich an nichts erinnern kannst. Vier Stunden später hatte Andy immer noch nicht mit der Polizei gesprochen, aber das lag eher daran, dass die Polizei nicht mit ihr gesprochen hatte. Nicht im Diner, nicht im Rettungswagen und auch hier nicht. Laura war diejenige, die Hilfe brauchte. Und Shellys Mutter, deren Name Andy gerade nicht einfiel. Sie lehnte sich zurück und suchte nach einer Position, bei der die Schwellung an ihrem Hinterkopf nicht so schmerzhaft pochte.

Das Panoramafester mit Blick auf die Promenade. Andy erinnerte sich daran, wie ihre Mutter sie zu Boden gerissen hatte. An den Schlag an ihren Hinterkopf, als sie gegen die Scheibe krachte. Es ist Mittwoch, 12 Uhr.

Hannes Stelzer hinkt mit seiner Arbeit hinterher. Die Schulung am Morgen dauerte länger als geplant, und dann hatte er auch noch ein kompliziertes Kundengespräch.

Jetzt ist er nicht zufrieden, sondern genervt. In fünf Stunden ist seine Woche rum, und er hat die Server noch nicht umgestellt. Auch die To-do-Liste an Patrick muss noch raus.

Und weil im Store kein Tag wie der andere ist, klappt ohne eine penible Übergabe nichts: Seit sechs Monaten sind die beiden jetzt ein Team, zwei Mann auf einer Stelle. Das Unternehmen hat den jungen, quirligen Berufsanfänger Hannes mit dem ruhigen, erfahrenen Informatiker Patrick verkuppelt.

Unterschiedlich genug, um nicht zu konkurrieren, ähnlich genug, um sich gegenseitig zu pushen. Bisher klappt das Konzept: Der eine kommt, wenn der andere geht, auch im Urlaub haben sie sich vertreten. Und weil beide 24 Wochenstunden arbeiten, fallen keine Überstunden an. Jobsharing Wie geht Jobsharing? Jeder Jobsharer erhält in der Regel einen eigenen Teilzeitvertrag. Wie die Abläufe zwischen den Partnern geregelt werden, steht auf einem Zusatzblatt: Im Vertrag sollte eine Überstundenklausel stehen und eine Regelung für den Fall, dass ein Partner ausscheidet.

Prämien, Boni oder Zuschläge - Jobsharer teilen alles, nur das Gehalt handelt jeder für sich persönlich aus. Noch immer sind viele Personaler skeptisch, führen höhere Lohnnebenkosten als Gegenargument an: Jobsharing-Expertin Jana Tepe erklärt: Liegen die Gehälter unter Euro, entfallen zusätzliche Lohnnebenkosten.

Jobpartnersuche im Internet Wer sich eine Stelle teilen möchte, kann auf der Jobsharing-Website tandemploy. Dort füllen Beschäftigte zunächst einen Onlinefragebogen aus: Beruf, Arbeitsort, Firma, Position. Bevor sich das Pärchen im richtigen Leben trifft, kann es sich in einem Plattformchat beschnuppern. Teilzeit im Trend Laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat sich seit die Teilzeitquote bei Frauen fast verdoppelt auf 57 Prozent , bei Männern sogar mehr als vervierfacht 20 Prozent.

Ausbildung und familiäre Verpflichtungen. Seit Januar gilt eine Reform des Familienpflegezeit-Gesetzes: Berufstätige können eine zweijährige Auszeit nehmen, um kranke Angehörige zu pflegen. Während dieser Zeit müssen sie in der Woche mindestens 15 Stunden arbeiten. Die Regelung gilt für Firmen ab 26 Beschäftigte. Rotes Eatery-Shirt, Jeans, Sneakers: Das Outfit ist ähnlich, privat kennen sich die beiden nicht.

Wenn einer einen Fehler macht, machen ihn beide. Wenn einer Erfolg hat, profitieren beide. Zur Belohnung gibt es freie Zeit. Aber auch dann faulenzen sie nicht. Hannes bastelt mit Studienfreunden an einem Start-up, schreibt gerade einen Businessplan für ein Stipendium des Wirtschaftsministeriums.

Patrick hat nebenbei eine IT-Firma, betreut Unternehmen. Manchmal nimmt er sich in seiner "Freizeit" auch frei, um mit Tochter Mia, 2, zu spielen. Bisher haben sich nach Auskunft der Agentur mehr als 40 Unternehmen und Inzwischen gilt Tepe als die Jobsharing-Expertin in Deutschland. Allein 18 Vorträge wollen sie und ihre Kolleginnen noch bis Weihnachten halten.

Die Gründerin verweist auf Onlineumfragen. Viele Jobsharer sind erfolgreiche Leistungsträger, 71 Prozent werden sogar zusammen befördert. Personaler hören interessiert zu. Vielleicht ist das eine Lösung ihrer Probleme? Bis soll die Zahl der Deutschen im erwerbsfähigen Alter um bis zu acht Millionen sinken, schon heute klagen Branchen über Fachkräftemangel. Sie brauchen neue Konzepte, mit denen sie talentierte Freigeister binden können.

Vor einem Jahr schaffte Microsoft die Kernarbeitszeit ab, Bosch lockerte die "Anwesenheitspflicht", Daimler überdenkt Produktionsabläufe, damit Mitarbeiter Beruf und Freizeit besser vereinbaren können. Die Prognos AG empfiehlt deshalb den Unternehmen, ihre älteren Mitarbeiter gezielt fortzubilden und flexibler einzusetzen.

Laut Bundesagentur für Arbeit könnte dem Arbeitskräftemangel teilweise dadurch begegnet werden, dass Erwerbsbeteiligung und Arbeitszeitvolumen von Frauen erhöht werden, die Lebensarbeitszeit verlängert und die Arbeitsmarktteilhabe hier lebender Menschen mit Migrationshintergrund verbessert wird.

Allerdings könnte der Fachkräftemangel durch die Digitalisierung verringert werden. Beispielsweise wird es immer mehr Fabriken geben, die weitgehend vollautomatisch funktionieren. Aber auch bei Transportunternehmen, Versicherern, Finanzdienstleistern, Banken, Rechtsanwaltskanzleien, Kliniken und vielen anderen Branchen lassen sich Abläufe und Entscheidungsprozesse digitalisieren und automatisieren.

In der sich anbahnenden Wissensgesellschaft werden die Arbeitgeber vor allem höher qualifizierte Arbeitnehmer benötigen. So wird es laut dem Accenture-Deutschlandchef Stephan Scholtissek bald zu einem "Kampf" um qualifizierte Mitarbeiter kommen. Deshalb wird vermutlich die Zuwanderung für Ausländer erleichtert werden.

Allerdings sind höher qualifizierte Personen vor allem in Schwellenländern zu finden - beispielsweise erhalten jedes Jahr 7,5 Millionen Inder und Chinesen einen Universitätsabschluss. Diese finden aber auch in ihrer Heimat immer mehr attraktive Jobangebote vor, wollen also zumeist nicht in Deutschland erwerbstätig werden. Viele der in den letzten Jahrzehnten zugewanderten Migranten und deren Kinder weisen hingegen nicht die nötigen Qualifikationen auf: Wer in der Wissensgesellschaft den Anschluss verpasst hat, wird nur noch geringe berufliche Chancen haben.

Viele von ihnen erhalten keinen Ausbildungsplatz. Aber auch die 7,5 Millionen Deutschen, die nur mit Mühe lesen und schreiben können sog. Als Folge der Bevölkerungsentwicklung in Deutschland werden die Belegschaften immer älter werden. So wird die Zahl der Erwerbsfähigen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren bis voraussichtlich um rund 2,5 Millionen auf nur noch 7,5 Millionen zurückgehen.

Ihnen werden voraussichtlich ca. Das Durchschnittsalter der Arbeitnehmer wird von derzeit 42 auf 48 Jahre im Jahr steigen. Die mittleren Jahrgänge werden dann weniger Aufstiegschancen vorfinden, da höhere Positionen immer länger von älteren Arbeitnehmern blockiert sein dürften. Da fast jeder dritte Deutsche über 65 Jahre alt sein wird, empfiehlt die Arbeitsgruppe "Altern in Deutschland", der 23 Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen angehören, dass Berufsarbeit bis ins fortgeschrittene Alter hinein die Regel sein sollte.

In Zukunft müssten auch über Jährige Geld verdienen - und sei es auch nur, um ihren Lebensstandard zu halten. Eine Frühverrentung wird aufgrund der hohen Abschlagszahlungen sowieso immer unattraktiver.

Allerdings sollte die Lohnpolitik so geändert werden, dass Arbeitnehmer nicht mehr automatisch mit jedem Berufsjahr mehr verdienen, denn schon jetzt sind ältere Arbeitnehmer vielen Unternehmen zu teuer. Die Alterung des Erwerbspersonenpotenzials wird die Arbeitgeber zu einer Änderung ihrer bisher stark jugendzentrierten Personalpolitik zwingen und sie viel seltener von der Möglichkeit der in Deutschland - im Gegensatz z.

Da diese häufiger unter Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems, unter Herz-Kreislauf- und psychischen Erkrankungen leiden, wird das betriebliche Gesundheitsmanagement immer wichtiger werden.

Opaschowski glauben, dass Arbeitgeber von der doppelten Erfahrung hoch qualifizierter älterer Mitarbeiter - ihrer Lebens- und Berufserfahrung - profitieren werden. Auch sollten sie deren "kristalline Intelligenz" besser nutzen: Zudem könnten ältere Arbeitnehmer leichter die Wünsche von Senioren erkennen und sie besser beraten. Wenn ältere Mitarbeiter zusammen mit jungen Kollegen Produktions- Teams bilden, könnte dies durchaus zu einem neuen Erfolgsrezept für die deutsche Wirtschaft werden, da jede Seite von den Stärken der anderen profitieren würde.

Beispielsweise haben sich ältere Manager vor allem durch Kurse und das Lesen von Fachtexten weitergebildet und kommunizieren eher verbal, während jüngere Menschen zunehmend das informelle und handlungsorientierte Lernen bevorzugen sowie das Internet und ihr dortiges Netzwerk von Kontakten nutzen. Auch kommunizieren sie mehr mit Hilfe visueller Informationen. Der Erfahrungsaustausch und die Weiterbildung am Arbeitsplatz müssen deshalb in Zukunft aus einer Mischung von Veranstaltungen, Trainings, direkter Anleitung, Simulationen, Spielen, Konferenzen, Blogs und schriftlichen Informationen bestehen.

In den kommenden Jahren wird die Arbeitswelt zunehmend "feminisiert" werden: Spätestens im Jahr werden mehr Frauen als Männer erwerbstätig sein. So schrumpft die Zahl der Hausfrauen immer mehr - aber auch die Zeitdauer von geburtenbedingten Berufsunterbrechungen, da Kleinkinder früher und länger in Tagesbetreuung gegeben werden und Grund- Schulen immer häufiger ganztägig sind oder eine Nachmittagsbetreuung anbieten.

Zudem müssen mehr Frauen arbeiten, weil sie alleinstehend sind, weil ein Einkommen allein nicht ausreicht, weil sie bei generell sinkenden Rentenansprüchen eine eigene Altersversorgung aufbauen wollen oder weil sie als Geschiedene bzw.

Alleinerziehende nicht mehr wie früher Unterhalt für sich selbst erhalten. Und immer mehr Frauen wollen arbeiten, weil sie eine gute Berufsausbildung erworben oder ein Studium abgeschlossen haben, weil sie durch ein eigenes Einkommen unabhängig bleiben möchten oder weil sie Selbstverwirklichung und Anerkennung im Beruf suchen. Da junge Frauen inzwischen im Durchschnitt bessere Schul-, Berufs- und Hochschulabschlüsse erwerben als Männer, da sie häufig keine Kinder bekommen derzeit bleibt ein Fünftel aller Frauen kinderlos und da die Familiengründung seltener als früher ein Karrierehindernis ist wegen einer nur kurzen Elternzeit und der Ganztagsbetreuung von Kindern , werden sie zunehmend in Führungspositionen hinein rücken.

Damit werde die Wirtschaft laut dem Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski bis vom "patriarchalischen System" Abschied nehmen. Dann würde ein anderer Führungsstil an Bedeutung gewinnen: Frauen würden pragmatischer denken und effizienter arbeiten, Sitzungen straffer leiten, volatile Investitionen meiden, langfristig planen und besser mit Geld umgehen.

Gleichzeitig werden die Karrierechancen für Männer aufgrund der hohen Qualifikation vieler Frauen geringer werden. Hinzu kommt, dass in der Wissensgesellschaft traditionell männliche Eigenschaften wie körperliche Arbeitskraft, Aggressivität und Risikobereitschaft weniger gefragt sind als eher weibliche Eigenschaften wie Kommunikationsfähigkeit, Sozialkompetenz, Informations- und Zeitmanagement.

In Fabriken werden in den kommenden Jahren immer mehr Arbeitsgänge von Robotern übernommen werden. So werden weniger Menschen als Arbeiter tätig sein. Der Dienstleistungssektor wird hingegen an Bedeutung gewinnen, wobei aber auch hier einfache Tätigkeiten zunehmend automatisiert werden. Jedoch werden in den nächsten 10 bis 20 Jahren Computer keine Aufgaben übernehmen können, die höhere menschliche Fähigkeiten voraussetzen - wie kreatives Denken, Symbolverständnis, Hypothesenbildung, Fantasie, kommunikative Kompetenzen, Empathie, Menschenkenntnis, Führungsfähigkeiten, Verantwortungsbewusstsein usw.

Aber schon bis könnten laut dem McKinsey Global Institute ein knappes Viertel und bis die Hälfte aller Arbeitsstunden durch Automatisierung wegfallen. Zwischen 3 und 12 Millionen Beschäftigte müssten auf neue Stellen wechseln - sofern sie über entsprechende Kompetenzen verfügen bzw.

Schon heute liegt das Lebenseinkommen eines Universitätsabsolventen laut einer ifo-Studie um Allerdings müssen hoch qualifizierte Personen auch eine hohe Arbeitsleistung erbringen und stehen zunehmend unter einem enormen Leistungsdruck. Sie werden häufiger als Selbständige tätig sein, zum Teil mit erfolgsabhängiger Entlohnung. Ferner wird es immer mehr "Schein-Selbständige" geben, die nur für eine Firma arbeiten und entsprechend der erledigten Aufträge bezahlt werden.

Auch die Zahl der Selbständigen, die sich als Crowdworker um kleine Aufträge auf Online-Plattformen bewerben, wird zunehmen. Darunter fallen aber auch die Solo-Selbständigen, deren Anzahl von 1,7 auf 2 Millionen zunahm. Ihr Einkommen ist oft relativ niedrig: Selbständige ohne Beschäftigte verdienten im Jahr im Mittel nur 1. Niedriger qualifizierte Stellen werden seltener werden, insbesondere wenn die damit verbundenen Aufgaben von Robotern oder anderen Maschinen übernommen werden können.

Laut einer Anfang veröffentlichten Umfrage des IT-Verbands Bitkom unter deutschen Unternehmen könnten bereits in den kommenden fünf Jahren etwa 3,4 Millionen Arbeitsplätze aufgrund von Digitalisierung und Automatisierung wegfallen. Die Gruppe der Festangestellten - mit Kündigungsschutz, Tarifgehalt und Extraleistungen wie Betriebsrente - wird kleiner werden.

Immer mehr Arbeitnehmer werden Teilzeitjobs oder befristete Stellen annehmen müssen, zeitweise freiberuflich tätig sein bzw. Unsichere, kurzzeitige oder geringfügige Beschäftigungsverhältnisse, eine Abfolge mehrmonatiger Praktika, Werk- und Zeitarbeitsverträge, Leiharbeit und Zweitjobs werden häufiger werden und zu einer unsicheren Einkommenssituation führen.

Dies wird keinesfalls nur für gering qualifizierte Arbeitnehmer gelten, sondern auch für viele Akademiker mit einem "falschen" Hochschulabschluss. Nachstehende Tabelle zeigt, dass diese Entwicklungen schon seit Jahren den Arbeitsmarkt prägen - derzeit ist ein Fünftel aller Erwerbstätigen atypisch beschäftigt. In den letzten Jahren waren vor allem jüngere Menschen von atypischen Beschäftigungsverhältnissen betroffen - Frauen etwas häufiger als Männer.

Oft wurden sie eingegangen, als Auszubildende nicht von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen wurden. Die unsichere berufliche Situation und das geringe Einkommen erschweren die Lebens- und Familienplanung und sind oft mit einem gewissen Zukunftspessimismus verbunden.

Bei zunehmendem Wirtschaftswachstum und abnehmender Zahl junger Menschen dürften aber atypische Beschäftigungsverhältnisse in den kommenden Jahren seltener werden. Menschen, die wenig verdient haben und häufiger arbeitslos waren, werden im Alter nur geringe Rentenansprüche haben. Viele Schein- Selbständige - insbesondere solche mit einem Einkommen unter 1. Nach einer Umfrage des Bundesverbandes der Selbständigen legt jeder Zehnte keinen einzigen Cent zurück, ein weiteres Fünftel weniger als 1.

Als Folge drohen im Alter Armut bzw. Abhängigkeit von der Sozialhilfe. Trotz Bevölkerungsrückgang und Fachkräftemangel wird es auch in absehbarer Zeit eine hohe Arbeitslosenquote geben. Un- und angelernte Arbeitnehmer sowie solche ohne verwertbare Qualifikationen werden es noch schwerer als heute haben, eine Beschäftigung zu finden.

Da der Staat aufgrund der hohen Ausgaben für Senioren und Kranke voraussichtlich nur noch sehr begrenzte Leistungen für Langzeitarbeitslose erbringen kann, wird deren Lebensstandard niedrig sein. Manche wenig qualifizierte Menschen werden aber in Selbsthilfenetzwerken ein Auskommen oder in der Schattenwirtschaft einen Zusatzverdienst finden - allerdings auf niedrigem Niveau.

Die "klassische" Biographie mit den Phasen Ausbildung, Vollzeitbeschäftigung am selben Ort und Ruhestand wird man in Zukunft immer weniger finden.

Viele Arbeitnehmer werden ein- oder mehrmals ihren Beruf wechseln; zwischen den Arbeitsstellen werden also häufig Ausbildungszeiten bis hin zu einem neuen Studium liegen.

Die Loyalität gegenüber dem einzelnen Arbeitgeber wird abnehmen, weil Beschäftigungsverhältnisse zunehmend als zeitlich begrenzt wahrgenommen werden.

Arbeitnehmer werden auch häufig den Wohnort wechseln - entweder weil sie eine andere Stelle antreten oder weil sie vom Arbeitgeber versetzt wurden. Diese Mobilität wird zu mehr Vereinzelung und zu mehr Wochenend-Ehen führen. Bei multinationalen Unternehmen wird der neue Arbeitsplatz oft im Ausland liegen, sodass Ehepartner und Kinder entweder im Heimatland bleiben oder ebenfalls umziehen müssen - mit all den damit verbundenen Problemen z.

So werden mehr Beschäftigte im Schichtdienst, an Abenden, in der Nacht und an Wochenenden tätig sein müssen. Insbesondere "Wissens-" und "Kreativarbeiter" werden immer häufiger ihren Berufsalltag frei gestalten können und sogar nachts oder zu Hause arbeiten dürfen, wenn davon eine Produktivitätssteigerung erwartet wird. Viele Selbständige werden über die volle Orts- und Zeitsouveränität verfügen, da sie dank Smartphone und Internet überall und jederzeit erreichbar sind.

Aufgrund der beruflichen Anforderungen werden Manager und andere höher qualifizierte Arbeitnehmer häufiger Arbeit nach Hause mitbringen und am Abend oder am Wochenende erledigen. So wird der berufsbedingte Stress weiter zunehmen. Jedoch könnte es in Zukunft auch mehr Erwerbstätige geben, denen ihre Freizeit oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf so wichtig sind, dass sie auf den beruflichen Aufstieg verzichten.

Deshalb berichten schon jetzt einige Unternehmen von Schwierigkeiten, wenn sie Führungspositionen mit Personen aus dem eigenen Hause besetzen wollen. Je knapper das Fachkräfte-Angebot wird, umso schwieriger wird es auch, Mitarbeiter zu halten, die mit ihrer hohen Arbeitsbelastung unzufrieden sind, sich zu stark gestresst fühlen, Probleme mit ihren Vorgesetzten haben oder ihres Erachtens zu wenig Wertschätzung erfahren. In den nächsten 40 Jahren werden die meisten Menschen in Büros und Geschäften tätig sein.

Aber auch die Telearbeit dürfte eine wachsende Rolle spielen: Die ständige Produktivitätssteigerung bewirkt, dass immer weniger Mitarbeiter immer mehr leisten müssen. Da Innovationszyklen einander immer schneller folgen, wird die Beschleunigung der Arbeit weiter zunehmen.